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2. Editorial von Ingo Schmidt-Philipp zur Corona-Krise (aktualisiert 15.5.2020)

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung des SARS-COV2 Virus haben die Lebenswirklichkeit von uns allen verändert.

Es kursieren Videobotschaften von Virologen, Ärzten und anderen namhaften Personen, die den medizinischen Sinn der Maßnahmen anzweifeln. Ich möchte auf einige davon eingehen - und die Maßnahmen verteidigen.

Kurze Zusammenfassung:

Wir haben einen sehr ansteckenden Virus, der zwischen 0,4% und 4% der Infizierten tötet - je nachdem wie viele unerkannt Infizierte man annimmt. Das sind 4 bis 40 mal mehr als die Grippe.
In New York City beispielsweise sind jetzt schon über 0,22 % der Bevölkerung gestorben.

Folgende Fälle:

1. Ein Herr Dr. Wodarg kritisiert mit guten Argumenten einige Details, beispielsweise der Virus-Test wäre nicht ordnungsgemäß geprüft und hätte zu viele falsche positive Ergebnisse. Es gäbe viele andere weitaus gefährlichere Viruserkrankungen, darunter natürlich die Influenza ("Grippe") und andere Corona-Viren.

Knackpunkt ist die Aussage, das neue Virus wäre nicht wichtig, weil es ja in der EU Todesfallstatistik nicht oder fast nicht auftaucht (das ist natürlich Unsinn, denn wir haben im Moment zum Glück ja noch relativ wenige Infizierte).

Ich habe die bisher vorliegenden Zahlen geprüft (das ist vor allem der Bericht aus China) und bin zu folgendem Schluss gekommen:
Bei der Influenza geht man davon aus, dass zwischen 5 und 20% der Bevölkerung erkranken (4-16 Millionen Menschen in Deutschland) und daran jährlich 5000 bis 20000 Menschen versterben.  Das sind etwa 0,1%.
Die Zahlen aus China belegen aber 2,3% Todesfälle pro nachgewiesener Infektion (in Deutschland 4%, in Italien mehr, in einigen Ländern weniger). Mit stark erhöhtem Risiko bei Bluthochdruck, Diabetes, Herz/Kreislaufkrankheit und Männern.

Zum Vergleich: Die Pandemie "Spanische Grippe" von 1918 mit 50 Millionen Toten weltweit hatte eine Todesrate von 3%.

Daraus schliesse ich, dass COVID19 wesentlich öfter tödlich verläuft als die Grippe. Ausserdem scheint COVID19 wesentlich ansteckender zu sein. Es ist zu befürchten, dass schneller und mehr Menschen daran erkranken als an der Grippe. Mit dazu trägt bei, dass man den Virus schon lange Zeit (ca 10 Tage) verbreitet, ehe sich Symptome bemerkbar machen.

Herr Dr. Wodarg, es ist unlauter aus den wenigen bisherigen Todesfällen auf eine ungefährliche Viruserkrankung zu schliessen. Sie spielen mit dem Leben der Risikogruppen.

2. Dr. Claus Köhnlein, Arzt aus Kiel schätzt bei der Art der Tests (PCR) dass ca 50% falsch positiv wären. Sagt, in Deutschland wäre die Todesrate noch nicht abschätzbar. Und vor allem: die vielen Todesfälle in Italien wären durch die Behandlung gestorben (massiv Kortison, Antibiotika, Immunsuppresiva). Als Beispiel ein Fall aus der Zeitschrift Lancet, wo ein 49-Jähriger nach genau dieser Behandlung verstorben ist.

Ich meine, es ist ein ganz schön starkes Stück zu behaupten die (zu dem Zeitpunkt) 3000 Toten in Italien wären alle durch die Ärzte umgebracht worden. Sicherlich ist es bei Viruserkrankungen ratsam, möglichst gar nicht zu behandeln - um das Immunsystem nicht bei der Arbeit zu stören. Wenn das ganze aber schon so weit fortgeschritten ist, dass der Tod unmittelbar zu erwarten ist, dann werden die Ärzte alles tun, was noch möglich ist.

Im übrigen haben wir Zahlen aus Italien (dazu ein Artikel in der  Welt). Sie bestätigen die aus China genannten Risikofaktoren für Todesfälle. Und zwar Alter (Durchschnittlich 79 Jahre), Bluthochdruck (hatten 76%), Diabetes (35%), Atherosklerose (33%) und weitere.

Diese Vorerkrankungen sind zwar ernst, aber eher langfristig. Niemand stirbt innerhalb eines Monats an Bluthochdruck oder Diabetes. Man kann also keineswegs sagen, diese COVID19-Toten mit Vorerkrankung wären "sowieso bald" gestorben. Vielmehr scheinen gerade diese Art der Erkrankungen einen Faktor anzuzeigen, der dem Virus die Arbeit leicht macht.

3. Ein Professor Sucharit Bhakti vergleicht wieder die Gesamt-Todesfälle in Deutschland (2200/Tag) mit denen die er durch das Virus erwartet - und zwar nur 26/Tag. Allerdings nennt er nicht, wie er auf diese niedrige Zahl kommt. Sollten sich im Laufe eines Jahres 50% infizieren, wären bei 1% Todesfällen (wie aktuell in Europa) 1130 Tote pro Tag zu beklagen.  Bisher haben wir in Italien eine viel höhere Sterblichkeit als in China und in Südkorea deutlich weniger. Die Gründe dafür sind nicht klar.
Prof. Bhakti vermutet die Luftverschmutzung in China und Italien als Grund für die hohe Todesrate (Beispielsweise in Bergamo, Italien ist aber eher gute Bergluft).
Ausserdem geht der Professor davon aus, dass der Hausarrest für viele schlimmer als der Virus ist.

In den letzten Tagen tauchen ausserdem immer mehr Stimmen auf, die das alles "nicht so schlimm" finden.

Aktuelle Situation

Aktuell sind in Deutschland ca 175000 Menschen positiv getestet und davon ca. 4% verstorben. Auch wenn die Dunkelziffer zehn mal größer als die getesteten wäre, wären das immer noch 0,4%. Am Ende von 83 Millionen Deutschen 300000 Tote, hauptsächlich Alte und Kranke.

Können wir hinnehmen, 0,4% bis 4% der Bevölkerung zu opfern? Und wofür? Bei aller Kritik an den Maßnahmen - die Politiker sind auch nur Menschen und die machen das auch das erste mal. Wenn wir aber nichts tun, opfern wir hunderttausende. Welcher Gewinn und welcher Wert könnte uns zu dieser Barbarei veranlassen?

Fazit:

  • Der neue SARS-CoV2 Virus hat ein sehr starkes Potential sich schnell auszubreiten. Auch dadurch, dass junge Menschen kaum erkranken, lange keine Symptome haben und ihn trotzdem weitergeben.
  • Das Risiko daran zu sterben liegt vielfachfach höher als bei der schon sehr schlimmen Influenza (Grippe).
  • Wenn wir nicht wollen, dass hunderttausende innerhalb eines Jahres sterben, müssen wir versuchen die Virusausbreitung so lange zu verlangsamen bis es wirksame Medizin dagegen gibt.
  • Alle sollten etwas tun gegen Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten. Nicht nur wegen COVID-19 aber deshalb nun noch mehr.
 
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